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Pizzastile im Überblick: von der Neapolitanischen bis zur Detroit-Pizza

Pizza-Stile

Pizzastile im Überblick: von der Neapolitanischen bis zur Detroit-Pizza

Neapolitanisch, römisch, aus dem Blech oder aus Detroit: Die wichtigsten Pizzastile mit Steckbrief, Vergleichstabelle und Tipps, welcher Stil in deinem Ofen gelingt.

Von Umberto NapolitanoVeröffentlicht am 1. November 202610 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Pizzastile unterscheiden sich in Form, Teig, Ausbreiten, Backen und Servieren.
  • Die neapolitanische Pizza ist weich, hat einen luftigen Rand und wird sehr heiß in 60–90 Sekunden gebacken.
  • Römische Pizza meint drei Stile: dünn und knusprig (tonda), aus dem Blech (Teglia) oder lang auf dem Stein (Pala).
  • Im Haushaltsbackofen gelingen Blechpizza, Pinsa und die runde römische Pizza am leichtesten.
  • New York, Detroit und Chicago sind eigenständige Stile, die sich in den USA entwickelt haben.

Pizza ist nicht gleich Pizza. Zwischen einer neapolitanischen Pizza mit luftigem Rand, einer hauchdünnen römischen Pizza, die beim Schneiden knackt, und einer Pizza aus dem Blech liegen Welten: beim Teig, beim Ausbreiten, beim Backen und sogar beim Servieren.

In diesem Überblick lernst du die wichtigsten Pizzastile kennen. Zu jedem Stil findest du einen kurzen Steckbrief, die typischen Merkmale und einen Hinweis, wie gut er sich in deiner Küche umsetzen lässt. So findest du schnell den Stil, der zu dir, deinem Ofen und deinem Geschmack passt.

Direkt zum Vergleich aller Stile ↓

Pizzastile auf einen Blick

Die Stile unterscheiden sich vor allem in fünf Punkten. Wenn du sie kennst, kannst du jede Pizza besser einordnen:

  • Form: rund, rechteckig, oval oder lang gezogen.
  • Teig: wie viel Wasser er enthält, wie lange er reift und ob mit Vorteig gearbeitet wird.
  • Ausbreiten: mit den Händen, mit dem Nudelholz oder direkt im Blech.
  • Backen: sehr heiß und kurz oder bei niedrigerer Temperatur und länger, auf dem Stein oder in der Form.
  • Servieren: ganz auf dem Teller, in Stücken oder nach Gewicht.

Wichtig: Die Steckbriefe geben dir eine Orientierung. Die genauen Mengen, Zeiten und Temperaturen gehören in das jeweilige Rezept, denn innerhalb jedes Stils gibt es viele Varianten.

Neapolitanische Pizza

Pizza Napoletana: der Klassiker

Neapolitanische Pizza Margherita wird auf der Schaufel aus dem Holzofen geholt
Die neapolitanische Pizza backt bei sehr hoher Hitze in rund 60–90 Sekunden.

Die neapolitanische Pizza ist der bekannteste Pizzastil der Welt. Ihr Kennzeichen ist der weiche, aufgegangene Rand, der cornicione, und eine dünne, weiche Mitte.

Form:
rund, höchstens etwa 35 cm
Boden:
weich und biegsam, Mitte nur etwa 0,25–0,3 cm
Rand:
luftig, 1–2 cm hoch
Backen:
sehr heiß, etwa 60–90 Sekunden im Holzofen
Servieren:
ganz, frisch aus dem Ofen

Die „Pizza Napoletana“ ist seit 2009 in der EU als garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) eingetragen. 2017 hat die UNESCO die Kunst der neapolitanischen Pizzaioli in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Der Teig wird nur von Hand ausgebreitet, ohne Nudelholz. Die klassischen Varianten sind die Margherita und die Marinara.

Logo Verace Pizza Napoletana der AVPN

Das Regelwerk der AVPN

Die Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) hat 1984 in Neapel erstmals festgelegt, was eine echte neapolitanische Pizza ausmacht. Ihr internationales Regelwerk, das Disciplinare, wird regelmäßig aktualisiert. Einige Vorgaben aus der aktuellen Fassung:

  • Zutaten: Mehl Tipo 00 oder 0, Wasser, Meersalz und Hefe oder natürlicher Sauerteig – kein Backpulver.
  • Teiglinge: 200 bis 280 g, nur von Hand ausgebreitet, ohne Nudelholz oder Presse.
  • Form: Mitte etwa 0,25–0,3 cm, Rand 1–2 cm hoch, Durchmesser bis etwa 35 cm.
  • Backen: traditionell im Holzofen, unter der Kuppel um 485 °C, 60–90 Sekunden. Gas- oder Elektroöfen sind nur mit AVPN-Zertifizierung zugelassen.
  • Belag: Tomaten wie San Marzano DOP, dazu Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte.

Pizzerien, die diese Regeln einhalten, können sich von der AVPN zertifizieren lassen. In unserer Akademie in Veitsbronn DE bieten wir Profikurse in Zusammenarbeit mit der AVPN an: Kurse und Termine. Das Pizzamehl La Verace von Frießinger Mühle trägt die Auszeichnung „AVPN Approved“.

Für deine Küche: Die echte Napoletana braucht sehr hohe Temperaturen. Im normalen Haushaltsbackofen erreichst du sie nicht ganz; ein Pizzastein oder ein Pizzaofen für zu Hause hilft, dem Ergebnis nahezukommen.

Pizza Contemporanea: die moderne Neapolitanische

Pizza im neapolitanischen Stil mit hohem, luftigem Rand, Mozzarella und Basilikum
Typisch für die contemporanea: ein besonders hoher, luftiger Rand.

Die contemporanea ist eine moderne Weiterentwicklung der neapolitanischen Pizza. Sie hat meist einen noch höheren, sehr luftigen Rand.

Form:
rund
Boden:
dünn in der Mitte, sehr luftiger, hoher Rand
Teig:
oft mehr Wasser und Vorteige wie Biga oder Poolish
Backen:
heiß und kurz, wie die Klassische
Servieren:
ganz

Für die contemporanea gibt es kein festes Regelwerk. Viele Pizzaioli arbeiten mit längeren Reifezeiten und Vorteigen, damit der Rand besonders leicht und groß wird.

Für deine Küche: Ein Stil für alle, die schon Erfahrung mit Teig haben. Mehr über die Unterschiede findest du in unserem Artikel Neapolitanische Pizza: Geschichte, Herkunft und Varianten.

Römische Pizza: tonda, Teglia und Pala

Unter „römischer Pizza“ versteht man drei sehr verschiedene Stile. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind knuspriger als die neapolitanische Pizza.

Pizza Romana tonda („scrocchiarella“)

Dünne, knusprige römische Pizza wird mit dem Pizzaschneider in Stücke geschnitten
Die runde römische Pizza ist dünn und knusprig.

Die runde römische Pizza ist sehr dünn und knusprig. Beim Schneiden soll sie knacken – daher der Spitzname scrocchiarella.

Form:
rund
Boden:
sehr dünn und knusprig
Rand:
flach, kaum ausgeprägt
Ausbreiten:
oft mit dem Nudelholz
Backen:
länger und weniger heiß als die Napoletana

Typisch ist ein Teig, der dünn ausgerollt und so lange gebacken wird, bis er durch und durch knusprig ist. In Rom isst man sie am Abend in der Pizzeria.

Für deine Küche: Ein guter Stil für den Haushaltsbackofen, weil er keine extremen Temperaturen braucht.

Pizza in Teglia (Pizza al taglio)

Pizza in Teglia, in Stücken geschnitten, wie in Rom „al taglio“ verkauft
Pizza in Teglia wird in Stücken verkauft – „al taglio“.

Die Pizza in Teglia wird in einem rechteckigen Blech gebacken und in Stücken verkauft – oft nach Gewicht. In Rom isst man sie als Snack zwischendurch.

Form:
rechteckig, im Blech
Boden:
außen knusprig, innen weich und großporig
Teig:
sehr weich, mit viel Wasser und langer Reife
Backen:
im Blech, meist im Elektro-Etagenofen
Servieren:
in Stücken, „al taglio“

Wichtig zur Unterscheidung: al taglio beschreibt die Art des Verkaufs, nicht den Teig. Auch die Pizza alla Pala wird oft in Stücken verkauft.

Für deine Küche: Der Stil, der im Haushaltsbackofen am leichtesten gelingt. Probier dazu unser Rezept Blechpizza mit La Farina 14 im Haushaltsbackofen.

Pizza alla Pala

Lange römische Pizza alla Pala mit Schinken, Käse und Basilikum
Die Pizza alla Pala ist lang und wird direkt auf dem Stein gebacken.

Die Pizza alla Pala ist lang und oval. Sie wird direkt auf dem Ofenboden gebacken und mit einer langen Holzschaufel, der pala, serviert.

Form:
lang gezogen, oval
Boden:
knusprig und leicht, großporig
Teig:
sehr weich, mit viel Wasser
Ausbreiten:
von Hand, mit den Fingerspitzen
Backen:
direkt auf dem Stein

Der weiche Teig ist anspruchsvoll in der Verarbeitung: Er muss gut gereift sein, damit er sich ausbreiten lässt, ohne zu reißen.

Für deine Küche: Für Fortgeschrittene. Ein Pizzastein und eine lange Schaufel sind hier besonders hilfreich.

Pinsa

Pinsa Romana

Ovale Pinsa Romana mit Kochschinken, Mozzarella und Gemüse auf einem Holzbrett
Die Pinsa erkennst du an ihrer ovalen Form.

Die Pinsa ist ein ovales Fladenbrot mit Belag. Ihren Namen leitet man vom lateinischen pinsere ab, „drücken“ oder „stampfen“ – denn der Teig wird mit den Fingern ausgedrückt.

Form:
oval
Boden:
außen knusprig, innen weich und leicht
Teig:
Mehlmischung, viel Wasser, lange Reife
Ausbreiten:
mit den Fingern gedrückt
Backen:
auf dem Stein oder Blech, oft vorgebacken

In ihrer heutigen Form ist die Pinsa ein recht junges Produkt aus Rom. Typisch ist eine Mischung aus verschiedenen Mehlen. Die Geschichten über antike Vorfahren solltest du eher als Erzählung verstehen.

Für deine Küche: Gelingt sehr gut zu Hause. Unser Pinsa-Rezept arbeitet mit dem Pinsa Mix Spezial Mehl von Frießinger Mühle.

Weitere Stile aus Italien

Neben Neapel und Rom hat fast jede Region ihre eigene Art, Teig zu backen. Drei Beispiele, die du kennen solltest:

Pizza al Tegamino (Turin)

Kleine runde Pizza in einer gusseisernen Pfanne, ähnlich der Pizza al Tegamino
In der Pfanne gebacken bekommt der Boden eine goldene Unterseite.

Kleine, runde Pizza aus Turin, die in einer eigenen Pfanne, dem tegamino, gebacken und darin serviert wird.

Form:
rund und klein, in der Pfanne
Boden:
höher, weich, mit knuspriger Unterseite
Servieren:
in der Pfanne

Der Teig geht in der geölten Pfanne auf und bekommt dadurch einen goldenen, leicht frittierten Boden.

Für deine Küche: Mit einer kleinen ofenfesten Pfanne gut umsetzbar.

Pizza al Metro (Vico Equense)

Aus Vico Equense bei Neapel stammt die Pizza, die nach Länge verkauft wird: bis zu einem Meter lang und mit verschiedenen Belägen in Abschnitten.

Form:
sehr lang, rechteckig
Servieren:
nach Länge, zum Teilen

Ein Stil für Gruppen und Feiern. Für die Herstellung braucht es einen großen Ofen und eine passende Schaufel.

Für deine Küche: Zu Hause eher als kleinere, längliche Variante umsetzbar.

Focaccia und Schiacciata

Ligurische Focaccia mit Käse auf einem Holzbrett, im Hintergrund das Meer
Focaccia aus Ligurien: eng mit der Pizza verwandt.

Streng genommen keine Pizza, aber eng verwandt: Fladen aus Hefeteig, oft nur mit Olivenöl, Salz und Kräutern. Jede Region hat ihre eigene Version, etwa die Focaccia aus Genua oder Bari und die toskanische Schiacciata.

Form:
meist im Blech
Boden:
je nach Region dünn oder hoch und weich
Belag:
oft nur Öl, Salz, Kräuter

Zu diesen regionalen Spezialitäten erscheinen im Pizza Magazine eigene Artikel.

Für deine Küche: Sehr gut im Haushaltsbackofen umsetzbar.

Amerikanische Pizzastile

Mit italienischen Auswanderern kam die Pizza in die USA. Dort sind daraus eigene Stile entstanden, die sich deutlich von den italienischen unterscheiden.

New York Style

Großes Stück New-York-Style-Pizza in der Hand, im Hintergrund eine Straße in New York
New York Style: große, dünne Stücke, die man zum Essen faltet.

Große, runde Pizza mit dünnem Boden, die in großen Stücken verkauft wird. Die Stücke faltet man zum Essen in der Mitte.

Form:
rund, groß, etwa 45 cm
Boden:
dünn, biegsam, mit knusprigem Rand
Backen:
im Etagenofen, länger als die Napoletana
Servieren:
in großen Stücken, „by the slice“

Typisch ist ein Mozzarella mit wenig Feuchtigkeit, der beim Backen gleichmäßig schmilzt.

Für deine Küche: Im Haushaltsbackofen mit Pizzastein gut machbar, das Format ist allerdings oft größer als der Ofen.

Detroit Style

Rechteckige Detroit-Style-Pizza mit knuspriger Käsekante und Tomatensauce in Streifen auf einem Gitter
Detroit Style: rechteckig, mit knuspriger Käsekante und Sauce obenauf.

Rechteckige, hohe Pizza aus einer Stahlform. Der Käse reicht bis an den Rand und karamellisiert dort zu einer knusprigen Kante.

Form:
rechteckig, in der Stahlform
Boden:
hoch, weich, unten knusprig
Belag:
Käse bis zum Rand, Tomatensauce oft in Streifen obenauf

Der Überlieferung nach wurden für die ersten Detroit-Pizzen Stahlwannen aus der Industrie verwendet.

Für deine Küche: Mit einer rechteckigen, gut leitenden Backform gut umsetzbar.

Chicago Deep Dish

Stück Chicago Deep Dish Pizza mit hohem Rand wird angehoben, der Käse zieht Fäden
Chicago Deep Dish: hoher Rand, viel Käse, Sauce obenauf.

Eine Pizza wie ein Kuchen: In einer hohen, runden Form bildet der Teig einen hohen Rand, der Käse liegt unten und die Tomatensauce obenauf.

Form:
rund, in einer hohen Form
Boden:
hoher Rand, mürber Boden
Backen:
länger, bei mittlerer Temperatur
Servieren:
in Stücken, mit Besteck

Wegen des vielen Belags braucht die Deep Dish deutlich länger im Ofen als andere Stile.

Für deine Küche: Im Haushaltsbackofen gut machbar, weil sie keine hohen Temperaturen braucht.

Die Stile im Vergleich

Stil Form Boden Backen Zu Hause
Napoletana rund weich, luftiger Rand sehr heiß, 60–90 s (AVPN) mit Pizzastein oder Pizzaofen
Contemporanea rund sehr hoher, luftiger Rand sehr heiß, kurz für Erfahrene
Romana tonda rund sehr dünn, knusprig länger, weniger heiß gut
Teglia rechteckig knusprig außen, weich innen im Blech sehr gut
Pala oval, lang knusprig, großporig auf dem Stein für Erfahrene
Pinsa oval knusprig außen, weich innen Stein oder Blech sehr gut
Tegamino rund, klein höher, weich in der Pfanne gut
New York rund, groß dünn, biegsam Etagenofen gut, Format oft zu groß
Detroit rechteckig hoch, knusprige Käsekante in der Stahlform gut
Chicago rund, hoch hoher Rand, mürbe länger, mittlere Hitze gut

Einen „besten“ Stil gibt es nicht. Jeder hat seine eigene Logik – und seine eigene Fangemeinde.

Häufige Fragen zu den Pizzastilen

Was ist der Unterschied zwischen neapolitanischer und römischer Pizza?

Die neapolitanische Pizza hat einen weichen Boden und einen luftigen Rand und wird sehr heiß und kurz gebacken. Die runde römische Pizza ist dünn ausgerollt, hat kaum Rand und wird länger gebacken, bis sie knusprig ist.

Welcher Pizzastil gelingt im Haushaltsbackofen am besten?

Am einfachsten sind Stile, die keine extremen Temperaturen brauchen: die Pizza aus dem Blech, die Pinsa und die runde römische Pizza. Für die neapolitanische Pizza helfen ein Pizzastein oder ein Pizzaofen für zu Hause.

Ist „Pizza al taglio“ ein eigener Teig?

Nein. Al taglio heißt „in Stücken geschnitten“ und beschreibt die Art des Verkaufs. Meist ist damit die Pizza in Teglia gemeint, aber auch die Pizza alla Pala wird oft in Stücken verkauft.

Welches Mehl brauche ich für welchen Stil?

Das hängt vom Teig ab, den du machen möchtest: von der Wassermenge, der Reifezeit und der Backart. In unserer Übersicht der Pizzamehle von Frießinger Mühle findest du die Mehle, mit denen wir arbeiten, und wofür sie gedacht sind.

Ist eine Pizza mit langer Teigreife bekömmlicher?

Viele Menschen empfinden lange gereifte Teige als angenehmer. Wie gut eine Pizza vertragen wird, hängt aber von vielen Faktoren ab, nicht nur von der Reifezeit. Mehr zur Teigreife erfährst du im Artikel Die Gärung der Pizza.

Selbst ausprobieren

Du möchtest einen Stil selbst nachbacken? Hier findest du passende Rezepte und Grundlagen aus dem Pizza Magazine:

Du möchtest einen Stil richtig lernen?

In unseren Kursen zeigen dir die Pizzaioli von Pizza-Schule Schritt für Schritt, wie Teig, Ausbreiten und Backen für den jeweiligen Stil funktionieren – vom ersten Teig bis zur neapolitanischen Pizza.

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Quellen

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